Im Namen des Volkes!? § 175 StGB im Wandel der Zeit

Kultur
p175
Datum: Donnerstag, 21. Oktober 2021 20:00 - Mittwoch, 15. Dezember 2021 00:00

Im Jahr 1969 wurden die §§ 175/175 a StGB erstmals liberalisiert. Und erst 1994 wurde als Folge der deutschen Wiedervereinigung der § 175 StGB endgültig aufgehoben. Das Centrum Schwule Geschichte Köln und der Förderverein Centrum Schwule Geschichte zeigen aus diesem Anlass eine Ausstellung zur Geschichte antihomosexueller Gesetzgebung in Deutschland. Dabei werden die Grundlinien der historischen Entwicklung immer wieder auf das Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens heruntergebrochen.
Die Ausstellung setzt damit erste Marken für eine umfassende Aufarbeitung der LSBT*IQ-Geschichte des größten und bevölkerungsreichsten Bundeslandes, die immer noch aussteht. Die §§ 175/175 a RStGB/StGB waren das am stärksten sichtbare und wirksame staatliche Repressionsinstrument gegenüber gleichgeschlechtlichem Leben, mit Auswirkungen auf trans-und intersexuelle Menschen.
Die Kenntnis seiner Geschichte ist daher nicht nur für Schwule, sondern auch für Lesben, Bisexuelle, Trans*, Inter* und queere Menschen relevant.

Veranstalter*innen:
Aidshilfe Bielefeld e. V., Autonomes Schwulenreferat der Uni Bielefeld, BIE Queer e. V., Schwule 50 +,
VHS Bielefeld
Ausstellungseröffnung
Donnerstag, 21. Oktober, 19.00 Uhr
VHS Bielefeld, Ravensberger Park 1, Kleiner Saal
Begrüßung:
Peter Struck
BIE Queer e. V.
Grußwort:
Ingo Nürnberger
Sozialdezernent der Stadt Bielefeld
Einführung in die Ausstellung:
Marcus Velke-Schmidt, M.A.
Historiker, Ausstellungskurator,
Centrum Schwule Geschichte Köln
Veranstaltungen im Rahmen
der Ausstellung
Samstag, 23. Oktober, 20.00 Uhr
Historischer Saal, Ravensberger Spinnerei
„Schlachtertango“ Theater von und mit
Michael Grunert
Der Bielefelder Ludwig M. wird 1936 wegen Homosexualität von der Gestapo verhaftet. Als Jude überlebt er Buchenwald und Auschwitz. Nach dem Krieg muss er um die Anerkennung seiner Verfolgung als Jude kämpfen. In den 50er Jahren, am Rande der Legalität, eröffnet er das erste Schwulenlokal in Hannover. In alptraumhaften und grotesken Bildern, mit dokumentarischen Texten und Geschichten, die den Zeitgeist jener Jahre widerspiegeln, entsteht das Bild eines Mannes, der sich seine Identität und Menschenwürde nicht nehmen lässt.
Mittwoch, 3. November, 20.00 Uhr
Filmhaus Bielefeld, August-Bebel-Str. 94
„Paragraph 175“ Dokumentarfilm von
Rob Epstein und Jeffrey Friedmann, 2000
Der Film erzählt die Lebensgeschichten von mehreren Männern und Frauen, die von den Nazis wegen ihrer Homo- sexualität aufgrund des § 175 verfolgt wurden. Zwischen 1933 und 1945 wurden 100.000 Personen aufgrund des
§ 175 verurteilt, in der Mehrzahl zu Gefängnis- oder Zuchthaushaft.
10.000 bis 15.000 Personen wurden in Konzentrationslagern inhaftiert, davon überlebten 4.000 bis Kriegsende. Von diesen Personen konnten im Jahr 2000 nur noch weniger als zehn Lebende gefunden werden. In der Dokumentation Paragraph 175 erzählen sechs dieser ehemals Inhaftierten, viele bereits weit über 90 Jahre alt, zum ersten Mal ihre Lebensgeschichte und schließen damit eine historische Lücke. Der Film wurde im gleichen Jahr auf der Berlinale mit dem Teddy-Award ausgezeichnet.
Mittwoch, 17. November, 20.00 Uhr
Murnausaal, VHS Ravensberger Park 1
„Rosa Winkel? Das ist doch schon lange
vorbei …“ Dokumentarfilm, Uni Bielefeld, Detlef Stoffel, Christiane Schmerl, Peter Recht 1976
„In den Konzentrationslagern der Hitler-Faschisten gab es eine Häftlingsgruppe, die von den Geschichtsschreibern bis heute gern vergessen wird: die Homosexuellen. Gekennzeichnet waren sie durch ein rosa Dreieck, das an der Kleidung aufgenäht war. Die Männer mit diesem „Rosa Winkel“ wurden nicht nur von den Faschisten, sondern oft auch von ihren Mitgefangenen unterdrückt. Nach dem Krieg änderten die Herrschenden und die Bevölkerung in der BRD ihr Verhalten gegenüber Schwulen kaum. Der von den Nazis verschärfte § 175 wurde nicht verändert, KZ-Überlebende Schwule erhielten bis heute keine Wiedergutmachung. Auch nach zwei „Liberalisierungen“ des § 175 in den letzten Jahren gehören Diskriminierung und Existenzvernichtung noch immer zum täglichen Leben von Homosexuellen. Vier Betroffene berichten im zweiten Teil des Films über Schwulendiskriminierung der 1970er Jahre“ (Flyer zur Uraufführung des Films, 1976).
Mittwoch, 24. November, 20.00 Uhr
Murnausaal, VHS Ravensberger Park 1
Uraufführung: Spurensuche und Zeitzeugen,
Dokumentarfilm von Detlev Hamann,
Deutschland 2021
In der Zeit vor 1969 galt noch der § 175 (in der Nazi-Fassung), der alles schwule Begehren und Tun unter Strafe stellte. Die Gesellschaft war hetero-normativ und patriarchalisch geprägt. Ein lesbisches/schwules Leben und Fühlen war nicht vorgesehen, bzw. wurde entwertet und ausgegrenzt. Das waren keine guten Voraussetzungen für junge LSBTIQ* Menschen, ihr queeres Leben zu starten.
In diesem Dokumentarfilm erzählen 4 – 8 LSBTIQ* Personen, 70 Jahre alt und älter, aus Bielefeld bzw. mit Bielefelder Bezug, ihre Biografie. In ihren Erzählungen wird die Wirkungsmacht des § 175 deutlich, die eingeübte Selbstzensur und Kontrolle der Gefühle, um damit möglichst die „normale Heterofassade“ aufrechtzuerhalten und nicht angreifbar zu sein. Aber auch sich Freiräume zu erkämpfen und zu gestalten.
Mittwoch, 8. Dezember, 20.00 Uhr
Filmhaus Bielefeld, August-Bebel-Str. 94
Bent, Spielfilm, Sean Mathias, GB 1997
„Von der Darstellung einer geradezu paradiesisch anmutenden Schwulen-Szene im Berlin der frühen 1930er Jahre bis hin zu orgiastischen erotischen Flüstereien im Konzentrationslager Dachau fokussiert Bent auf beklemmende Weise die Aspekte von Sexualität, Liebe und damit auch Widerstand innerhalb der inhumanen pervertierten Welt des Nationalsozialismus“ (Kinozeit).
Mittwoch, 15. Dezember, 20.00 Uhr
Murnausaal, VHS Ravensberger Park 1
„Anders als die Andern (§ 175)“ Film,
Richard Oswald 1919
Mit der Tragödie „Anders als die Anderen“ gelang Regisseur Richard Oswald vor 100 Jahren, im Mai 1919, eine Premiere: Der weltweit erste Schwulenfilm lief in den Kinos an. Die Geschichte über den Violinisten Paul Körner und seinen Studenten, in den er sich verliebt, endet mit dem Selbstmord der Hauptfigur. „Es war zu dem Zeitpunkt das erste Mal in der Gesellschaft, dass über Homosexualität gesprochen wurde“, sagte Wieland Speck, ehemals Panorama-Leiter der Berlinale und Mitbegründer des Teddy Awards. Der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld – „der Vater der Schwulenbewegung“ – war ein Autor des Films und tritt darin auf. Er forderte im Film die Abschaffung des Paragrafen 175, der Homosexualität unter Strafe stellte.

 

 

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  • Von Donnerstag, 21. Oktober 2021 20:00 bis Mittwoch, 15. Dezember 2021 00:00
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