Mittwochsfilm im Februar - Taxi zum Klo

Allgemeines
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Datum: 5. Februar 2020 20:00 - 22:00

Veranstaltungsort: August-Bebel-Straße 94, 33602 Bielefeld



Eintritt frei!

Bei seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1980 löste TAXI ZUM KLO in den Kinos der braven Bundesrepublik einen Skandal aus – und wurde kurz darauf spektakulär mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet. Heute gilt Frank Ripplohs authentischer und schamloser schwuler Liebesfilm als einer der großen Klassiker des queeren Kinos aus Deutschland.

„Ich mag Männer, bin 30 Jahre alt, von Beruf Lehrer“, sagt Frank, der abends auch schon mal als Peggy ausgeht. Im Fummel lernt er Bernd kennen – und nimmt ihn aus dem Kino direkt mit nach Hause. Von da an sind die beiden ein Paar. Frank genießt das Zusammensein mit Bernd, aber er will auch weiter seine Freiheiten jenseits des trauten Heims: Treffen mit anderen Männern, vor allem anonymen Sex in Parks und auf öffentlichen Toiletten, das Abenteuer, den Exzess. Für die monogame Partnerschaft und ein ruhiges Leben auf dem Bauernhof, wie Bernd es sich wünscht, ist er nicht zu haben. Auf dem jährlichen Tuntenball kommt es zum Eklat …

Mit TAXI ZUM KLO erzählt Regisseur und Hauptdarsteller Frank Ripploh seine eigene Lebensgeschichte: Bevor er mit dem Filmemachen begann, war er Lehrer an einer Schule in West-Berlin, sein offener Umgang mit der eigenen Homosexualität kostete ihn damals seinen Posten. Ripplohs Film ist nicht nur eine erotische, absurd komische Reise in die Schwulenszene der 80er, sondern auch ein berührendes, durch und durch unabhängiges Stück queerer Kinogeschichte.

Zum 40. Jubiläum endlich in digital restaurierter Fassung!


Sein größter Film: "Taxi zum Klo"

Er tanzte nur einen Sommer. Er machte nur einen Film. Das heißt, er wirkte natürlich schon vorher in diversen Produktionen als Berliner Szenegröße Peggy von Schnottgenburg mit. Und er versuchte 1987 ein Comeback mit "Taxi nach Kairo". Aber im Gedächtnis wird Frank Ripploh, der zunächst Volksschullehrer war, sich in den letzten Jahren seines Lebens als Journalist durchschlug und, wie erst jetzt bekannt wurde, kürzlich im Alter von 53 Jahren an Krebs starb - in Erinnerung wird er bleiben mit einem einzigen, einzigartigen Beitrag: "Taxi zum Klo".

1981 in Paris: In der rue de l' école de médicine läuft der Film ein halbes Jahr lang, groß plakatiert, täglich in vier Vorstellungen. In New York soll er eine Million Dollar eingespielt haben. Er erhielt 1980 den Max-Ophüls-Preis, und die deutsche Filmkritik überschlug sich, als er in die Kinos kam, mit seltener Einmütigkeit.

Was machte den beispiellosen Erfolg dieses schwulen Low-Budget-Films aus, der ohne Fördermittel auskommen mußte und nur 100 000 Mark gekostet haben soll? Klar, es war die hohe Zeit des "neuen deutschen Films". Jedes Jahr kam ein neuer Faßbinder heraus, und in seinem Fahrwasser schwammen sie alle, die Sinkels und Stempels und eben auch Ripploh, Namen, die keiner mehr nennt. Aber "Taxi zum Klo" war in seiner Darstellung mann-männlicher Sexualität kruder als Faßbinder, dilettantischer als Rosa von Praunheims Doku-Soaps, was wahrlich etwas heißen will. Und dennoch war er Kult, zumindest bis Mitte der achtziger Jahre, als Aids voll zum Durchbruch kam.

Kult bei Homos und Heteros. Kein Wunder, bediente er doch sämtliche Schwulenklischees: Der Held, von Ripploh selber gespielt, redet im gedehnten Tuntenton, zieht gern Frauenkleider an und ist auch in seinen sonstigen Lebensgewohnheiten exotisch. Sein Lover (Bernd Broderup, 1991 an Aids verstorben) macht so herzerweichend lieb auf Macho, wie man es seit den späten siebziger Jahren von künstlich maskulinisierten "Lederkerlen" kannte. Vor allem: Ripploh schien in "Taxi zum Klo" jene promiske Sexualität auszuleben, die Heteros an Homos immer beneidet haben, weil sie eben die ursprüngliche männliche Sexualität verkörpert, noch ungezähmt durchs weibliche Pendant.

Und die Schwulen? Sie erkannten sich wieder. "Taxi zum Klo" war nicht "bigger than life", es war das Leben selbst, mit seiner mal als lustvoll erlebten, mal als zwanghaft erlittenen Sexualität, mit den Schwierigkeiten, eine Partnerschaft aufzubauen, mit jener mal berauschenden, mal beängstigenden Freiheit, nach Jahrhunderten der Unterdrückung und des Zwangs zum Doppelleben endlich, endlich man selbst sein zu können.

Diesen historischen Moment, der sowohl politisch als auch ästhetisch eng an die Zeit um 1980 gebunden ist, hat Frank Ripploh kongenial umgesetzt. Das alles ist längst Geschichte. Aber diejenigen, die dabei waren (und es überlebt haben), werden ihm ein dankendes Angedenken bewahren. Toni Kröger

Frank Ripploh wurde 1949 in Rheine geboren, wo er am 2. Juli 2002 starb.

aus "Die Welt" vom 28.09.2002


Ich finde es schön, dass ich mit Frank noch kurz vorher im Bielefelder "Milestone" einige Biere trinken durfte.

FRANK RIPPLOH emerges from ''Taxi zum Klo'' (''Taxi to the John'') as a funny, cheerful, sympathetic fellow. In view of the fact that Mr. Ripploh, who directed the film while also starring in it, has graphically filmed himself doing such things as undergoing a rectal examination at a VD clinic, this is no small accomplishment.

''Taxi zum Klo,'' which is very sexually explicit even by pornomovie standards, is also a believable and sometimes touching portrait of a German homosexual schoolteacher and his circle of friends and lovers. It ought to be believable, because Mr. Ripploh acknowledges it to be almost entirely autobiographical.

The film has the candor of a journal, as it details the daily routine of the teacher, called ''Frank'' by some of his friends and ''Peggy'' by others, and affects an intentionally humdrum tone. But it also has the artfulness to shape seemingly unremarkable incidents in a telling manner. The way in which a jigsaw puzzle that Bernd, Frank's faithful and fastidious lover, has been working on is inadvertently knocked over or Bernd's irritation at Frank's messy table habits reveal as much about their relationship as a more direct and emphatic narrative might.

With the devoted Bernd waiting at home in a wifely fashion, Frank visits bathhouses and public restrooms pursuing casual sex, and wondering whether he is capable of fidelity or whether fidelity is even worthwhile. This dilemma ab out fidelity, certainly a staple in movies about heterosexual couples, might not seem compelling or freshenough to kee p ''Taxi zum Klo'' going, were it not for the colorful way in which Mr. Ripploh presents it. By introducing a series of characters wh ose emotional and sexual natures represent an entire spectrum, he offers a variety of possibilities for the audience to consider; eve n Frank's grade-school students figure into this, insofar as th ey represent the possibility of infinite freedom. Most of the charac ters are male, but there are several ghastly women who amount to a p ersuasive argument against heterosexuality.

Aside from making this a film not recommended to the puritanical or fainthearted, the nudity and explicit sexual activity in ''Taxi Zum Klo,'' although not gratuitous, do constitute a failure of imagination. Like any kind of explicitness, the kind on which Mr. Ripploh relies is the most obvious representation of attitudes and behavior that might have also been represented in other ways. The sex and nudity will undoubtedly account for part of the film's popularity with some audiences, but they will also put off others. And ''Taxi zum Klo'' is of sufficient quality and interest for that to be a shame.

Most unnecessary line of dialogue any recent film has had to offer: Frank's telling Bernd, while putting on his black leather regalia and swallowing a tablet of LSD: ''And don't wait up for me. I'll be late tonight.''

''Taxi zum Klo'' will be shown tonight at 9:30 and Sunday at 2 at the New York Film Festival.

Question of Fidelity

TAXI TO THE JOHN (Taxi zum Klo), directed by Frank Ripploh; screenplay (German with Eng- lish subtitles) by Mr. Ripploh; photography by Hor st Schier and Johannes Geyer; edited by Gela-Marina Runne and Mathias von Gunten; music by Hans Wittstadt; produced by Mr. Ripploh, Horst Schier and Laurens Straub; a Promovision International Films Ltd. release . At Alice Tully Hall, part of the 19th New Yo rk Film Festival. Running time: 92 minutes. Thi s film is not rated.

WITH: Frank Ripploh, Bernd Broaderup, Gitte Lederer, Hans-Gerd Mertens, Irmgard Ladem- acher, Beate Springer, Ulla Topf, Franco Papadou, Hans Jurgen Moller, Tabea Blumensche in and Magdalena Montezuma.

New York Times, 1981

 

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  • 5. Februar 2020 20:00 - 22:00
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